Grundkurs W/R (Rainer Federlein)

Bild von Rainer Federlein „Zwei Jahre Langeweile?“
Zwei Jahre lang haben sich 12 Kollegiaten jeden Montagmorgen gefragt, ob sie sich aufraffen, oder sich doch lieber weiterhin dem Schlaf widmen sollen. Klar, dass WR auf dem Stundenplan stand. Schon während der Mittelstufe war dies wohl, vor allem bei den Mädels, eines der verhasstesten Fächer. Kein Wunder also, dass der Anteil weiblicher Mitschüler bei satten 0% lag. Ein Grund dafür, dass WR an unserer Schule lange Zeit als „Schlafstunde“ bezeichnet wurde, ist sicherlich die Tatsache, dass Herr Federlein seinen Unterricht alles andere als Abwechslungsreich gestaltet. Jede Stunde bekommt man einen Stapel Blätter mit Lückentexten ausgeteilt, welche dann gemeinsam besprochen werden. Auch das Buch wird von unserem WR-Urgestein kaum benutzt und so verschreckt der Frontalunterricht viele Schüler, den WR GK zu wählen.
Doch auch wenn der eigentliche Unterrichtsstil von Herrn Federlein eher trocken ist, konnten wir uns über Langeweile dennoch meist nicht beschweren, denn die ausgedehnten Diskussionen, an denen sich nahezu alle rege beteiligten, dienten zur Auflockerung. So kam es auch fast jede Stunde, dass wir vom eigentlichen Thema ein bisschen abschweiften, indem wir unserem Lehrer weitergehende, hypothetische Fragen stellten. Zu unserem Erstaunen wurden diese Anfragen auch meist kompetent und sachgerecht beantwortet. Dies zeigt also, dass Herr Federlein nicht zu der Vielzahl von Pädagogen gehört, die nur das wissen, was auch im Schulbuch steht. Daher möchte ich hier noch mal ein großes Lob für die Sachverständigkeit unseres Lehrers aussprechen!
Weniger erfreulich war jedoch, dass unsere Anfragen nach Zwischenpausen in der zwölften Klasse fast immer mit dem Satz „Wir machen lieber fünf Minuten eher Schluss…“ abgeschmettert wurden (meist beendeten wir den Unterricht dann nicht 5 Minuten eher, sondern erst 5 Minuten nach Gongschlag ;)).
Die Notengebung war ein sehr zweischneidiges Schwert, da man ohne Lernaufwand (dafür aber mit reichlich Spickern) sehr passable Noten erreichen konnte, wobei die Notenskala leider nie vollständig ausgereizt wurde und so die „lerneifrigen“ Schüler meist nur geringfügig besser als ihre schummelnden Kollegen waren ;)
Man kann also sagen, dass die Unterrichtsart von Herrn Federlein sicher nicht zu den abwechslungsreichsten gehört. Aber in einer „Mind-Map“-geschädigten Schülerwelt, in der die Lehrer kaum mehr vermitteln können, als das, was man auch im Buch nachlesen kann, drückt man unter Berücksichtigung der Fachkompetenz vielleicht auch mal ein Auge zu.

Bernhard Vielweber
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