Leistungskurs Biologie (Christian Dettmar)
Bericht der Schüler:
Schon der Beginn dieses LKs war höchst dramatisch, als ein Teil der „Bio“-Mädels tränenüberströmt das Büro von Dr. Wich stürmte, mit der Bitte im Gepäck, einen Bio-LK zu gründen, da dieser für viele die letzte Möglichkeit war. Da unser herzensgütiger Direktor „weinende Mädchen nicht ertragen konnte“ (O-Ton: Dr.Wich), erbarmte er sich unser. Amen.
So nahm der Bio-LK 2002/2004 seinen Lauf.
Herr Dettmar wurde am AKG erstmals mit der schwierigen Aufgabe konfrontiert, einen LK zu leiten. Wohl deshalb versuchte er sich stets an die „Regeln der Obrigkeit“ zu halten, was an seiner Unsicherheit und an der ständigen Nachfrage „wie machen denn das die anderen Lehrer?“ erkennbar war. Wenn unerwartete Fragen von unserer Seite kamen, äußerte sich seine Angst, etwas falsch zu machen, in Übersprungshandlungen. (Def.: Im Konflikt zwischen Angriff und Flucht wird ein dritter schwächerer Trieb ausgeführt. In Schrissys Fall war dieser Körperhygenie, der sich durch Kopfkratzen bemerkbar machte.)
Des weiteren erheiterte uns Schrissy mit seinem außergewöhnlichen Humor („lachte er grundlos, oder lachte er über uns?). Außerdem machte er aus unserem obligatorischen, gemütlichen Rundgang über Klo zum Kaffeeautomaten einen überaus anstrengenden Sprint, da es ihm sehr wichtig war, seine hochinteressanten, kostbare Unterrichtszeit auf keinen Fall zu verschwenden.
Um diesen zu veranschaulichen suchte er sich Unterstützung bei Dr. Michael Pleger, dem Biogott des BR („Ich sehe den Regenwurm, sieht er mich auch? Spaß beiseite!“), dessen zahlreiche Sendungen er komplett archiviert hat und den wir in den letzten 2 Jahren ins Herz geschlossen haben. Doch des Öfteren wurde uns durch das vermeintliche Fehlverhalten vorangegangener Lehrer der Genuss des besagten Biogottes vorenthalten. (ständiger defekter Fernseher, Videorekorder,...)
Manch einer könnte dadurch den Eindruck gewinnen, der Unterricht bei Schrissy wäre immer lustig und entspannt gewesen. Doch Herr Dettmar erwartete des Öfteren von uns, dass das Wissen, das wir in der Unterstufe angesammelt haben sollten, immer noch vollkommen präsent ist. Auch durch manchmal unverständliche, unterschiedlich schwere Abfragen und einseitige, stark spezialisierte Schulaufgaben verspielte er einiges an Sympathie. Jedoch halfen uns diese sehr hohen Anforderungen - im Nachhinein gesehen- bei den Abiturprüfungen.
Lieber Herr Dettmar, vielleicht sollten Sie in Zukunft Ihre Korrektur und Notengebung etwas transparenter gestalten.
Ein weiteres unangenehmes Thema war die Facharbeit, die ein Großteil der Schüler in Bio gemacht haben. So wurden von Herr Dettmar unsere Themenvorschläge nahezu alle rigoros abgeblockt (O-Ton: „Macht doch was mit Pflanzen.“), was noch erträglich gewesen wäre, wenn er uns wenigstens klare Aussagen über seine Wünsche betreffend des Inhalts und der Form getätigt hätte. Erfreulicherweise waren die Noten bei den meisten dann doch zufriedenstellend.
Die bereits angesprochene Liebe zu Pflanzen konnte er erfolgreich in den zwischenzeitlich vernachlässigten Schulgarten ausleben, in dem man ihn jede freie Minute antreffen konnte. Die triste Baustelle verwandelte er in ein blühendes Paradies.
Mit genauso viel Enthusiasmus widmete er sich seinem eigenen Garten, in dem nur einheimische Pflanzen wachsen und der zusätzlich mit einem Bachlauf, der zum Froschteich führt, verschönert ist. Auch den heißgeliebten Bienen schuf er ein neues Zuhause. Dies alles durften wir bei einem Grillabend bewunden, an dem wir sowohl von Schrissy als auch von seiner Frau Heike vorzüglich bewirtet wurden. Schrissy verwöhnte uns mit einer leckeren Ananasbowle, die gutgefüllte Hausbar blieb uns jedoch leider verschlossen. Später wurden wir zu einem lustigen Spiel animiert/genötigt, „Turmklötzchenrausziehspiel“ auf wackligem Tisch bei leichtem Wind führte zur allgemeinen Erheiterung.
Dieses Vergnügen konnte bis jetzt leider nicht wiederholt werden, da seine Aufmerksamkeit voll seiner schwangeren Frau galt. Die Vorfreude auf das Kind spiegelte sich in Herrn Dettmars Verhalten wider: Seine Laune besserte sich merklich und wir führten -zwar im
Nachhinein erfolglose- Diskussionen über den schönsten Namen.
Lieber Herr Dettmar, abschließend bedanken wir uns für die gute Abiturvorbereitung. Die zwei Jahre haben trotz kleiner Meinungsverschiedenheiten viel Spaß gemacht.
Wir wünschen ihnen und ihrer kleinen Familie für die Zukunft nur das Beste.
P.S.: Anm. des LKs: Da Herr Dettmar das „ch“ immer als „sch“ und nie als „k“ ausspricht, haben wir unseren Christian Schrissy getauft.
P.P.S.: Wir fühlen uns geschmeichelt, dass sie uns für den attraktivsten Bio-LK halten, den sie je hatten. Dankeschön!
Bericht des Lehrers/Lehrerin:
Ich stehe noch ganz unter dem Eindruck eures Abiturs, während ich diesen Artikel schreibe.Ich gratuliere dem Kurs als Ganzes zu einer weiteren Steigerung seiner Leistungsfähigkeit und seines Erfolges. Als ich die ersten Abiturarbeiten durchsah, dachte ich schon, ihr wolltet die Notenstatistiker das Fürchten lehren!
Und dabei fing doch alles eher zäh an.
So erinnere ich mich noch an Schulaufgaben, in denen Kartoffelpflanzen unterirdisch blühten und bestäubt wurden und die Fotosynthese zur geächteten Chemie gehörte. Aber Höhen und Tiefen gehören ja zu einer interessanten Zeit!
Was fand ich eigentlich außer eurem Durchhaltevermögen und eurer Lernbereitschaft besonders interessant?
Bei begrenztem Raum fällt mir dazu zunächst ein, dass es sicherlich der hübscheste Kurs war, den ich bisher leitete, was wohl an dem hohen Frauenanteil von nahezu 100% lag.
Außerdem schient ihr euch meist auch für die kontroversen Lehrplanthemen wie Erbe und Umwelt, Biologie und Nationalsozialismus, Schattenseiten des Fortschritts oder biologistisches Menschenbild zu interessieren, obwohl klar war, dass diese mangels eindeutiger naturwissenschaftlicher Antwortmöglichkeit etwas weniger prüfungsrelevant sein würden als etwa die Mendelsche Unabhängigkeitsregel bei Saaterbsen, mit der ihr euch natürlich auch auseinandergesetzt habt- manche sogar so intensiv, dass sie sie unbedingt auch im Abitur anwenden wollten.
Im Zusammenhang mit Lehrplanthemen, die kontrovers diskutiert werden, können wir auch auf eine gemeinsame Fahrt zu Dr. Rösch von der Universität Erlangen zurückblicken, bei der ihr den Pulsschlag der Forschung pochen hörtet und die wahrscheinlich zuvor unbekannte Welt der Hochschule mit Ansprüchen und Verheißungen an euch herantrat.
Ohnehin wart ihr recht reiselustig! Ihr habt nicht nur Dr. Rösch, mich und die Uni-Bibliothek Würzburg besucht, sondern auch die mysteriöse Bienenstation von Prof. Tautz (manche sogar mehrmals). Leider habt ihr den attraktiven Professor dort aus Termingründen nie zu Gesicht bekommen, was einige vielleicht etwas enttäuscht hat. Ich versichere Euch jedoch noch einmal an dieser Stelle, dass er wirklich existiert. Bei unserem letzten Treffen Ende April hat er sich auch sehr für die beiden gelungenen Bienen-Facharbeiten von Daniela und Marina interessiert. Darüber hinausgehend möchte ich sagen, dass ihr überhaupt sehr interessante Themen für die Facharbeiten gewählt habt, dass es recht spannend und arbeitsintensiv war eure Spuren zu verfolgen und ich darüber hinaus einiges Neues gelernt habe.
Zum Abschied widme ich euch u.a. das Bild einer Asphodelus-Lilie aus unserem Schulgarten (Andreas ist sie vielleicht schon bei der Anfertigung seiner Facharbeit aufgefallen). Diese Pflanze findet schon in der Homerischen Odyssee in Gestalt der Asphodeluswiese der Unterwelt Erwähnung. Ich kombiniere das Bild frei nach Dettmar mit einer Textstelle aus Platons Politeia (einen Bezug zwischen Odyssee und Politeia gibt es übrigens tatsächlich), in der es im berühmten siebten Buch heißt:
„… wer nicht, wie in einer Schlacht, durch alle Prüfungen hindurchschreitet und bereit ist, nicht auf den Schein hin, sondern auf das Sein zu prüfen, wer also in all diesen Prüfungen nicht mit unüberwindlicher Erkenntniskraft hindurchkommt- von dem wirst du nicht behaupten, er kenne die Idee des Guten oder sonst etwas Gutes, sondern er erfasse irgendein Scheinbild, auf das er gerade kommt, mit seiner Meinung, nicht mit seiner Erkenntnis, und werde seinen jetzigen traumverlorenen Lebensschlaf eher unten im Hades vollkommen verschlafen, ehe er hier aufwache.“
Stimmt ihr mir zu, wenn ich die Schulzeit mit einer Zeit des Erwachens vergleiche?
Euer Biologielehrer der Jgst. 12 und 13
Christian Dettmar

