Leistungskurs Physik (Wolfgang Gärtig)

Bild von Wolfgang Gärtig

Bericht der Schüler:

„Nur was für harte Jungs“
Nach dem dramatischen Ausscheiden von Schenz blieb noch eine Gruppe von zehn kameradschaftlichen Hochleistungsphysikern, die sich wöchentlich 5 Stunden mit Herrn Gärtig (liebevoll „Wolle“ genannt) und dem wesentlich größeren Übel Russ um die Ohren schlug. Bei diversen Weißwurstfrühstücken während des Unterrichts beteiligte sich Herr Gärtig wohlwollend. Ein herzliches Dankeschön gilt hier Schenz, dem Initiator des ersten Weißwurstfrühstücks, das er im Vollrausch am Schulfasching mit Wolle ausmachte. Dass es zu lediglich einem Kurstreffen kam, zu dem er auch erschienen ist und eine heiße Zitrone trank, enttäuschte uns. Bei zwei weiteren Treffen wurden wir leider versetzt, da beide Male seine sehr zeitraubende Tätigkeit als Systembetreuer des AKG-Netzwerks dies verhinderte. Er wird seiner eigenen Aussage zu Folge dadurch sogar so ausgelastet, dass er gar keine Gelegenheit findet, sein verdientes Geld auszugeben. Laut seiner Aussage, ist ein Kurstreffen eine überwiegend dienstliche Angelegenheit, zu der er keine Lust hatte - Danke.
Nachdem er beim zweiten Kurstreffen trotz wiederholter persönlicher Einladung nicht erschien, ergriffen wir 10 LKler die Initiative und besuchten ihn gegen 22 Uhr in seiner Dienstwohnung. Leider kamen wir nur bis zur Tür. Selbst nach mehrmaligem Klingeln ignorierte er uns und lies uns vor der Türe stehen. Aus Protest konnten wir am folgenden Tag leider nicht im Unterricht erscheinen, worauf wir von Wolle als Schlappschwänze bezeichnet wurden. In Bezug auf diese Aussage denke man bitte an die eine heiße Zitrone, die er innerhalb von 4 Stunden beim einzigen Kurs-Mit-Lehrer-Treffen zu sich nahm.
So brav wie Herr Gärtig privat zu sein scheint, verhält er sich auch im Unterricht. Stets darauf bedacht, gegen keine Vorschriften zu verstoßen, hält er den Unterricht nach seinen eigenen Leistungskursaufzeichnungen, die ihm seine unzähligen 15 Punkte bescherten. Dies resultierte aus seiner vorbildlichen Erziehung. So durfte er zum Beispiel seinen Führerschein nicht vor dem Abitur machen, da er die Zeit für Lernen benötigte. Daher rührt wohl auch seine These, dass man 4 Monate vor dem Abitur 12 Stunden pro Tag Schüler sein müsse. Seine Erfolge hielt er uns oft vor, ebenso wie seine Aussage, dass ein Physik-LK nur was für harte Jungs sei. Sehr häufig bekamen wir seine Aufzeichnungen aus seinem alten Ordner von 1990 kopiert, um schneller mit dem Stoff voranzukommen. Bemerkenswert ist die absolut saubere und fehlerfreie Niederschrift seiner Einträge (lediglich 2 Rechtschreibfehler in 2 Jahren). So diktierte und kopierte er uns im Laufe der letzten 2 Jahre wohl sein komplettes Heft, wobei unser Heft zu ca. 1/3 aus Kopien besteht.
Häufig begann der Unterricht mit Staunen über den Stapel von Kopien, die jeder Schüler auf seinem Platz vorfand, was die Motivation des Kurses oftmals schon montagmorgens um 8 Uhr unter den Nullpunkt herabsinken lies. Den Höhepunkt erreichte dies während seiner 3 wöchigen Abwesendheit, als jedem Schüler auf einmal 17 Seiten geballtes Wissen vorgesetzt wurden. Dieses Wissen von 15 Stunden sollten wir mit Herrn Junge innerhalb von 4 Stunden durchnehmen. Leider war das Resultat dieses Gewaltritts allerdings, dass den Stoff bis zum Abitur keiner verstand.
Jedoch war es Herrn Gärtig auf Grund seines begrenzten Kopiekontingentes nicht möglich, auch auf häufige Nachfrage, unsere Referathandouts zu kopieren. Da dies auch von Frau Biener nur selten gegen Bezahlung erledigt werden konnte, brachten die Referate oft Verzweiflung mit sich.
Bereits nach wenigen Wochen fand sich der Kurs damit ab, dass Herr Gärtig freiwillig auf eine Zwischenpause verzichtete. Verwundert waren wir dann in den letzten Wochen, als er uns im Netzwerkstress - anscheinend mangels ausreichender Unterrichtsvorbereitung - oft ein Päusschen anbot. Die Devise, die Netzwerkeinrichtung sei wichtiger als unser Physik-LK, die er offensichtlich gehorsamst befolgte, führte sogar (nicht nur auf Grund von Fortbildung) zu nicht geringem Unterrichtsausfall während der Abivorbereitung.
Allgemein ist zu sagen, dass die Abitur- und Facharbeitsvorbereitung ungenügend war: Herr Gärtigs Abivorbereitung sollte daraus bestehen, dass jeder Schüler innerhalb von 45 Minuten eine Abituraufgabe als Referat vorstellt. Da seine Reihenfolge allerdings nicht mit der unsrigen (klüger gewählten) übereinstimmte, war die Aufmerksamkeit (auch mangels Vorbereitung) während der Referate recht schlecht.
Unsere einzige Abivorbereitung hatten wir somit zu Hause, wo viele von uns die ganzen Abiture der letzten Jahre rechneten. Im Gegensatz zum Unterricht, arbeiteten die meisten hier nach Themengebieten geordnet, was uns deutlich klüger erscheint.
Die vom Kurs geforderten und benötigten Fragestunden wollte Herr Gärtig partout erst nach den Referaten machen, was letztendlich aufgrund seiner Krankheit entfiel.
Das Resultat war somit für die meisten Physiker enttäuschende Abiturnoten.
Seine Überpünktlichkeit zu Unterrichtsbeginn wurde bei Gesprächen zu den Facharbeiten glatt ins Gegenteil umgekehrt, zu denen er mehrere Male mit über 30 Minuten Verspätung oder gar nicht kam. Teilweise überraschend gute, wie auch überraschend negative Noten für die Facharbeit waren die Folge. Mehrere Facharbeiten erreichten trotz wirklich großen Aufwands nicht annähernd die gewünschte Benotung. Dabei spielt die Änderung von anfangs 1/3 Theorie und 2/3 Praxis auf ¼ Praxis und ¾ Theorie während der Arbeitszeit für die Facharbeit keine geringe Rolle. Die unter großen Mühen gebrachten praktischen Leistungen waren somit für die Notengebung in der Facharbeit fast umsonst. Dies brachte den Kurs in eine zunehmend negative, gedämpfte Schwingung gegenüber dem kursleitenden Lehrkörper.
Der rein theoretisch abgehaltene Unterricht, der durch gerade einmal etwa 5 Versuche in den ersten beiden Semestern bereichert wurde, war von unzähligen „Gedankenversuchen“ geprägt. Darüber hinaus war sein fachlicher Horizont sehr beschränkt, so dass er Fragen zum Stoff oftmals nur mit Hilfe von einem Mitschüler bewältigen konnte.
Die Spannungen zwischen Lehrer und Kurs spitzen sich in den letzten Wochen nach Wolles unverschämter Abwesenheit sehr zu. Nach 3 Wochen Fehlen zur Zeit der Facharbeitsabgabe war er zudem auch 2 Wochen vor dem Abitur im Schullandheim, anschließend krank und dann auf Fortbildung. Die letzten Stunden waren dadurch von gegenseitigen Anschuldigungen und Streit geprägt und beendeten so die zwei Jahre Physik-Leistungskurs.
Ein kleiner Tipp zum Schluss: Überdenken Sie für Ihren nächsten LK noch mal gründlich Ihr Konzept sowie den Umgang mit den Schülern (Kollegiaten sind keine kleinen Kinder!), damit Sie nicht wieder solch eine armselige Leistung abliefern. Wir hoffen, dann läuft es besser!


Ihre Hochleistungsphysiker


P.S.: Dass Sie ihr Versprechen nicht eingehalten haben, innerhalb von 4 Wochen einen Bericht über uns zu schreiben, hat uns nochmals entäuscht. Aber ehrlichgesagt haben wir auch nichts anderes erwartet.

Bericht des Lehrers/Lehrerin:

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