Leistungskurs Englisch (Birgit Härtling)
Bericht der Schüler:
„Kein Kurs für Weight-Watchers“Zu Beginn der Stunde fehlten meist zwei Personen. Während Frau Härtling oft einige Minuten später mit leicht errötetem Kopf und außer Atem das Klassenzimmer betrat, kam Reinhard entweder zu spät mit einer komischen Ausrede oder gleich gar nicht. Nachdem Frau Härtling innerhalb von Millisekunden mehrere Tische in der ersten Reihe mit ihrem Korbinhalt belagerte, waren einige Schüler damit beschäftigt, entweder die Hausaufgaben abzuschreiben oder sich eine Ausrede für die wiederum fehlenden Aufgaben einfallen zu lassen. Eine Folge der nicht gemachten Hausaufgaben war, dass das vorher gründlich überlegte Unterrichtskonzept von Frau Härtling selten so wie gedacht durchgeführt werden konnte. Daher musste oft Plan B herhalten, der aufgrund ihres fast blinden Vertrauens in unseren Fleiß stets aus den nun auf noch mehr Tischen verteilten Materialien improvisiert werden musste. Nach zirka 12 Monaten weiterer Enttäuschungen, was unsere Hausaufgaben betrifft, zog Frau Härtling die Notbremse: Exen wurden angedroht und zum Entsetzen der Schüler auch noch konsequent und ohne mit der Wimper zu zucken durchgeführt. Das Ergebnis war verheerend. Da natürlich wieder keiner der Schüler vorbereitet war, wurden munter lustige Geschichten erfunden, was auch Frau Härtling zum schmunzeln brachte. Deshalb versuchten wir des Öfteren durch Schokolade und andere Leckereien unsere Lehrerin wieder zu besänftigen, was uns auch gelang. Diese nette Geste diente jedoch nicht nur diesem Zweck sondern auch dazu, Frau Härtling eine Freude zu machen und die Kursatmosphäre weiter aufzulockern. Um das jetzt nicht falsch zu verstehen, wollen wir hier erwähnen, dass die Stimmung in unserem Kurs stets gut war. Dafür sorgten auf der einen Seite eine immer gut gelaunte Kursleiterin mit ihrem sonnigen Gemüt oder die nicht weniger gut gelaunten A.B. und M.B., die durch amüsante Zwischenrufe und absolut sinnlose Bemerkungen (MB: „Ich geh jez hemm und ess Gulasch“...) ebenfalls den Unterricht auflockerten. Unsere lässige Unterrichtsauffassung über die gesamten zwei Jahre verursachte bei Frau Härtling mehr Nervosität im Hinblick auf das Abitur als bei den Schülern, die der Abiturprüfung eher gelassen entgegenblickten (O-Ton eines Schülers: „Ke Angst, des krieg mer scho!“). Vielleicht basierte unsere Gelassenheit auch auf einem imaginären Ordner, den die Lehrerin in Zusammenarbeit mit uns Schülern anlegen wollte, was aber über vier Semester nicht gelang. Dieser Ordner sollte eigentlich sämtliches Unterrichtsmaterial enthalten, mit dem die Schüler ihre eigens verursachte Wissenslücken während der Abivorbereitung füllen hätten können.
Außerhalb des Unterrichts trafen wir uns des Öftern zu Theaterveranstaltungen in der High-School, im Stadttheater oder auch in der Würzburger Waldorfschule, jedoch ein ordentliches Kurstreffen brachten wir leider erst nach dem Abitur zustande. Dieses ging dafür dann bis in die frühen Morgenstunden mit tiefsinnigen Gesprächen bei viel Wein und gutem Essen. Für das delikate und mit viel Liebe zubereitete Essen sorgte unsere Lehrerin, z.B. mit 18 Steaks, 10 Paar Bratwürsten, Oliven, Schafskäse und getrocknete Tomaten....
Unseren Eindruck von Frau Härtling als fürsorgliche und liebevolle Kursleiterin bestärkte dieser Grillabend noch zusätzlich.
Bei diesem gemütlichem Beisammensein wurden viele Anekdoten aus 4 Semestern Englisch wieder ins Gedächtnis gerufen, was uns einige spaßige Stunden bescherte. So erinnerten wir uns zum Beispiel an eine sehr verwirrte Frau Härtling, die mehrere Minuten im Klassenzimmer umher irrte, um ihr Words in Context in ihrem Tohuwabohu auf den Tischen zu finden, was jedoch vergeblich war, da es Mucki hinter seinem Rücken versteckte. Außerdem amüsierte uns auch, dass unsere Lehrerin es nicht fertig brachte Lorea und Nora auseinanderzuhalten und somit Mischformen der Namen erfand (Lora, Norea). Auch überraschten wir sie einmal damit, dass der gesamte Kurs mit Eiscafe und Brownies an den Schachbrettern auf Frau Härtling wartete, und ihr freundlich mitteilte, dass wir eigentlich im Moment überhaupt keine Lust auf Unterricht hätten. Frau Härtling ließ sich nach kurzer Skepsis durch die mitgebrachten Leckereien überzeugen, dass dies eine gute Idee war.
Zuletzt lässt sich über Frau Härtling sagen, dass wir als Schüler uns keine bessere Kursleiterin hätten wünschen können und wir absolut zufrieden und glücklich über die zwei Jahre im Englisch LK sind.
Bericht des Lehrers/Lehrerin:
Mhm, was schreibt frau denn so über ihre Kursteilnehmer. Dass sie gut gelaunt und nett waren (immer), und kulturbeflissen (immer öfter) und fleißig und aufmerksam (naja, fast immer) und näschert (immer) und ….Ach nein, viel besser lernen wir doch alle Kursteilnehmer kennen, wenn wir sie uns in einer ganz bestimmten Situation anschauen. Wie wäre es denn mit…mhm, grübel....jawoll, während einer Klausur.Setting: ein beliebiger grauer Dezembervormittag, Raum bekannt. Auftritt der Kursleiterin, äußerlich ruhig und gelassen, unter dem linken Arm den legendären grünen Ordner, in der rechten Hand das Körbchen bis zum Rand gefüllt mit: Keksen, Schokolade, 2 Ersatzlexika, Papier, noch einigen unwesentliche Kleinigkeiten - und natürlich der Klausur. ( Flötenmusik,
Wände des Klassenzimmers verschwinden, Gedanken der Kursleiterin -und auch der Kollegiaten/innen - werden hörbar ) :O horror, horror, horror. Hoffentlich ist der Text nicht zu schwer, zu lang, zu konfus, zu unklar, zu clumsy, mit Druckfehlern und unbekannten Wörter übersät, etc. etc. Hoffentlich habe ich sie gut genug vorbereitet. Sometimes I’m afraid that I’m not teaching them the right kinds of things. Egal, jetzt gehts los. Sit, worthy friends, the rest is labour........Gut, gut, Text und Arbeitsaufträge scheinen klar zu sein. Die Ersten beginnen zu schreiben. Nur rechts vorne grübelt noch jemand vor sich hin. Ach von wegen grübeln, ich höre doch das Meer und die Palmen rauschen. Ja, sie hat ja recht. Bora-Bora wäre jetzt eine prima Alternative. So in der Hängematte, Pinacolada in der Rechten, Colamuffin in der Linken, immer warm, immer Sonne, seufz…. Oder doch lieber eine Expedition mit der Expertin für Klondike-Survival-Tours? Ne, viel zu kalt. Außerdem hat die jetzt keine Zeit. Der Stift fliegt nur so übers Papier. Kurzes Zögern. Hilfe, habe ich einen Tippfehler gemacht? Wie? Dieses Gerund könne man doch auch als Nomen sehen und den Ausdruck dann ganz anders übersetzen? Wie? Was? Zeig mal. Ähh, stimmt, natürlich, klar, ganz klar, alles Absicht, wollte nur mal sehen, ob ihr das auch merkt. Mhm. Und was tut sich links außen? Da tut sich noch nicht viel. Ich glaub er übt gerade Riffs. Ganz ruhig! Das gleiche Spielchen hatten wir doch schon in der letzten Klausur. Er arbeitet am Anfang gaaanz bedächtig und zockt dann obercool zum Schluss in 10 Minuten die ganze Übersetzung herunter. Also keine Panik. Dahinter wird schon fleißig gearbeitet und heimlich geflucht. Steinzeit! Warum gibt’s hier keine Laptops. Das wäre doch ein ganz anderes Arbeiten. Aber so! Und auch noch Literatur! Warum nicht mal einen soliden Text über Microsaft. Ach ne, davon versteht se ja nix. Ach, säße ich doch schon in meiner eigenen kleinen Computerfirma und müsste hier nicht diesen Sch…. Auch daneben wird stetig gearbeitet. Sehr beruhigend für die nervöse Kursleiterin. Mein einziger Macbethfan (oder warum sonst hätte er sich das Video von mir ausgeliehen?). Naja, läuft ja fast unter Rubrik Sci-Fi. Deshalb! Mhm, riechts hier gut. Ach, er schenkt sich gerade wieder ein Käffchen ein. Warum habe ich mir eigentlich keinen mitgebracht? Was murmelt denn sein Nachbar da vor sich hin? Oh nein, nicht schon wieder: „So a schens Thema. Da schreib mer doch zu den 300 Wörtle schnell noch paar hundert dazu. Soll da vorne mal was tun, hip-hop, äh, hop-hop. Danach könnt ich noch a Nickerle halten, bis die andern fertig sind. Schlaf is doch des Allerschönste.“ Argh! Und Monsieur daneben? Oui? Er rauft sisch ein bisschen die Aaré und rollt versweifelt die Augén, wo ist denn ier das lyrische isch versteckt? Voilà, da ist es. Auch knallarte Bänkér können eben manschmal ihre Adér für Poesie und Romantik nischt verbergen und resitieren eimlisch: „Shall I compare thee to a summer’s day?“ Davon diesmal gänzlich ungerührt füllt seine Nachbarin konzentriert Seite um Seite in ihrer schönen Schrift und lässt sich durch nichts ablenken. Alles zu seiner Zeit . Die Eignung für den diplomatischen Dienst ist unübersehbar.
Befriedigt lässt die Kursleiterin ihre Blicke über die schreibende Schar gleiten. Läuft doch alles bestens… aber irgendwas fehlt noch zum absoluten Glück. Wilder Blick in die Runde: HILFE! WO BLEIBT DER DEINHARD? Äh..Reinhard? Keilriemen gerissen? Hamster ausgebüxt? Frodo getroffen? Ach nein, da isser ja. Hat verschlafen, kann passieren. Nur die Ruhe.
Dafür legt er halt jetzt einen Zahn zu. Passt doch alles, oder?.....So, nein, jetzt langt es. Ihr schreibt ja schon viel länger als ich vorgesehen hatte. We will proceed no further in this business. Abgabe! Leave all the rest to me. Abgabe!
So humbly take my leave. And don’t forget: Gather the rosebuds while ye may. Vorhang.
Birgit Härtling-Hobitz

