Leistungskurs Geschichte/Sozialkunde (Dr. Roland Bettger)
Bericht der Schüler:
„Wir geben das mal zur Diskussion frei“Die Wahl eines Leistungskurses stellt sich meistens eher als Personenwahl denn als eine Sachwahl heraus. Auch deshalb fand der Geschichte/Sozi - Lk bei Herrn Bettger so regen Zuspruch - viele von uns konnten ihn schon in der 11. Klasse als sehr engagierten und freundlichen Lehrer erleben. Seine Ähnlichkeit mit großen Persönlichkeiten der Zeitgeschichte (Otto von Bismarck, Attila der Hunnenkönig, der Hauptmann von Köpenick) ließ von vorneherein eine große Nähe und Begeisterung für sein Fach erahnen :-). Dies bestätigte sich in den folgenden zwei Jahren, in denen er uns mit nicht nachlassendem Enthusiasmus die Geschichte zweier Jahrhunderte erklärte.
Leider führte dieser Enthusiasmus aber auch dazu, dass sich sein Unterricht oft so sehr in Details verlor, dass es schwierig wurde, den Überblick zu behalten. Allerdings versuchte Herr Bettger immer, kritisch-produktive Anregungen für seinen Unterricht umzusetzen, was sich insbesondere in den Evaluationsbögen, in denen wir zweimal seinen Unterricht bewerten sollten, äußerte. Hierbei zeigte sich allerdings auch, dass Herr Bettger sehr hohe - fast zu hohe - Anforderungen an sich und seinen Unterricht stellt, was dazu führte, dass er schon dann unzufrieden mit sich und uns war, wenn er nicht in allen Bereichen von jedem Bestnoten erhielt.
Diesem Anspruch wurden aber auch wir nicht gerecht, da es sich im Laufe der zwei Jahre als fast unmöglich erwies, in beiden Klausuren (Geschichte und Sozialkunde) Bestnoten zu erzielen.
Unschlagbar war er aber auf dem Gebiet der modischen Ausstattung - in puncto äußerer Erscheinung hätte er die Höchstpunktzahl verdient. Passend zu seiner Kleidung wäre sein ehemaliger Jaguar gewesen, den er sich aber laut seiner Aussage immer noch leisten könnte. Dies ist nur eine Geschichte aus seinem reichhaltigen Anekdoten-Fundus, mit dem er die zwei Jahre hindurch den Unterricht auflockerte, wobei er sich leider gelegentlich wiederholte („Ich weiß nicht, ob ich´s schon mal erzählt hab...“). Es zeigte sich, dass er in seinem Leben schon weit herumgekommen war und sehr viele Kontakte und Erfahrungen gesammelt hatte. So ermöglichte uns dann auch eine Verbindung zur Bundeswehr die Teilnahme am Politik-Simulationsspiel „Pol & IS“ (Politik & Internationale Sicherheit) auf der Frankenwarte in Würzburg. Hier verlebten wir zusammen mit einem weiteren Sozikurs des AKGs einige schöne Tage, in denen wir die gesellige Seite Herrn Bettgers kennen lernen durften.
Nicht nur bei dieser Gelegenheit war erkennbar, dass Herr Bettger stets um ein freundschaftliches und lockeres Verhältnis zu seinem Kurs bemüht war. Dies zeigte sich insbesondere am Tag nach der Facharbeitsabgabe als er Verständnis für seinen völlig übernächtigten Kurs hatte und den Unterricht dementsprechend lockerer gestaltete. Auch als der Großteil der Klasse einmal seine Unterrichtsmaterialien vergessen hatte, bestätigte sich dies, da er spontan den (nicht ganz ernst gemeinten) Vorschlag aufnahm, das „Antennenspiel“ zu spielen.
Insgesamt bewies Herr Bettger also mehrmals seinen Humor und die Fähigkeit, die Zügel auch mal ein bisschen schleifen zu lassen, so dass er die richtige Mischung aus lockerem Unterricht und produktiver Arbeit fast immer fand.
Trotzdem war er um einen qualitativ hochwertigen Unterricht bemüht, weshalb er „neueste“ Methoden wie Gruppenarbeit oder Diskussionsrunden einsetzte. Leider führte er dies zuweilen zu intensiv, zu gehäuft und zu zeitaufwendig durch. Insbesondere die schon durch andere Lehrer vorbelasteten Schüler litten teilweise an einer Überdosierung an „eigenverantwortlichem Arbeiten“... :-); Im Anschluss an die Gruppenarbeit erfolgten meist Diskussionen und Präsentationsrunden, die er mit dem Satz einleitete: „Ich geb´ das mal zur Diskussion frei!“.
Große Furcht bereitete uns das Abitur. In diesem Punkt wurden wir in den letzten Wochen herbe von Herrn Bettger und seinem Unterricht enttäuscht, da die Abi-Vorbereitung in Form von Wiederholung und Bearbeitung von Sachfragen schlichtweg nicht stattfand. Dies entstand auch durch ein unterschiedliches Verständnis von Abi-Vorbereitung, was wir erst nach dem Abitur von ihm erfuhren. Zwar begründet sich dies möglicherweise auch in der Diskrepanz aus Lehrplanvorgaben und Abiturniveau (da das Abitur dem normalen Geschichte-Lk entnommen wird) - trotzdem setzte uns die Tatsache, dass wir auch nach den Osterferien mit dem Stoff noch nicht fertig waren, zusätzlich unter Druck.
Nur durch enge Teamarbeit konnten wir das „vorausarbeiten“, was Herr Bettger mit uns in den letzten Unterrichtseinheiten vor dem Abitur noch durchsprach. Auf unsere Bedenken nach der Lektüre des „Stark Abitur-Trainers“ antwortete er meist nur mit hilfreichen Kommentaren wie „auf die Frage muss man nicht antworten“ oder einem Lächeln ob unserer Panik. Vielleicht erschien ihm unser Pessimismus lediglich als Stress-Erscheinung der Vorbereitung aufs Abitur, trotzdem hätten wir uns einen sorgsameren Umgang mit unseren Fragen gewünscht. Fatalerweise bestätigte sich in diesem Punkt sein eigentlich ironisch gemeinter Abschluss-Kommentar jeder Stunde, nämlich: „Sind jetzt alle Klarheiten beseitigt?“. Zum Glück waren die Abituraufgaben aber dann für den Kurs lösbar.
Dennoch beeinträchtigte der Stress der letzten Wochen vor dem Abitur unsere Einstellung zu seinem Unterricht nachhaltig.
Nach dem Abitur wurde das Verhältnis zwischen Kurs und Kursleiter zusätzlich auf die Probe gestellt, als im Zuge einer Beschwerde von uns an das Kultusministerium Herr Bettger seinen Kopf hinhalten musste (siehe dazu Seite 144).
Leider konnte sich also insgesamt der gute Eindruck, den wir noch aus der 11.Klasse von ihm hatten, nicht bis zum Ende der K13 halten. Trotzdem wünschen wir Herrn Bettger, dass er noch mit vielen netten Leistungskursen das Antennenspiel spielen kann.
Eva Kleinschrodt, Bernhard Vielweber,
Nora Lautenbach, Max-Jacob Ost
Bericht des Lehrers/Lehrerin:
Wie lautet Art. 3 Absatz 2 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland? Hätten Sie es gewusst? Kleine Nachhilfe gefällig?„Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Männern und Frauen und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“
Diese Frage hätte die Kollegiatinnen und Kollegiaten des LK G/Sk nicht eine Sekunde in Verlegenheit gestürzt und sie hätten sie, ohne auch nur einen Augenblick zu zögern, beantwortet, selbst wenn ihr gesamtes Grundgesetz - auf höchste Anordnung hin - zugetackert oder -geklebt worden wäre.
Zumindest formal waren die Anforderungen des Art. 3(2) GG im LK G/Sk in vollem Umfange erfüllt: Sieben Mädels und sieben Jungs waren im September 2002 gleichberechtigt angetreten, um sich in intensiver Detailarbeit mit der europäischen und deutschen Geschichte des 19. und 20.Jahrhunderts, mit dem politischen System der Bundesrepublik Deutschland und mit internationaler Politik der Gegenwart zu beschäftigen und vertraut zu machen. Selbst als der Kurs im Verlaufe der zwei Jahre einen leichten Schwund von zwei Kursteilnehmern zu verzeichnen hatte, blieb der Proporz gewahrt.
Die Arbeitsatmosphäre im Kurs war eine nach meinem Empfinden gute Mischung aus locker entspannten Phasen - gewürzt durch Anekdoten aus der „verpfuschten Jugend“ des Kursleiters und allgemeinen politischen Lebensweisheiten - und hochkonzentrierten Arbeitsphasen, deren Stille nur durch das laute Knacken der manchmal durch intensives Mitschreiben arg strapazierten Finger der Kursteilnehmer unterbrochen wurde. Viele Tafelbilder zum bloßen Abpinseln wurden den Kursteilnehmern nicht präsentiert. Dafür ist der LK G/Sk in der Disziplin des Mitschreibens sicher bestens auf die Anforderungen der Universität vorbereitet.
Im Sozialkundeunterricht war ich immer wieder angenehm überrascht über die genauen tagespolitischen Kenntnisse einiger KollegitatInnen - auch wenn sie ihre Informationen zum Teil aus Organen der „linken Kampfpresse“ bezogen - und über ihre treffenden Fragen oder ihr sicheres politisches Urteil. Im Geschichtsunterricht zeigten die Kursteilnehmer große Fähigkeiten beim problemlösenden Denken z. B. im Zusammenhang mit dem hochkomplexen Bündnissystem Bismarcks und dessen Zerstörung durch die „Platz-an-der-Sonne-Politik“ Wilhelms II. Sehr hilfreich waren in diesem Zusammenhang die kompetenten Kommentare von Pelzig, Dr. Göbel und Erwin über „Willi zwo“.
Für mich anregend und vor allem für den Sozialkundeunterricht befruchtend waren die Erfahrungen, die einige KollegiatInnen auf Grund ihrer Erwerbstätigkeit in verschiedenen Handels- und Dienstleistungsunternehmen in das Unterrichtsgeschehen einbringen konnten. Mir haben sich dadurch neue Sichtweisen eröffnet und ich habe einiges gelernt, wofür ich dankbar bin, denn nach meiner Erfahrung ist der Lernprozess dann am ergiebigsten, wenn er wechselseitig verläuft.
Manch Anlass zu Diskussionen gab die Frage der Leistungserhebungen, insbesondere der Schulaufgaben im Hinblick auf Anforderungsniveau und Umfang. Obwohl es in jeder Schulaufgabe immer auch sehr gute Leistungen im Einserbereich gab, waren gerade die besten KursteilnehmerInnen nicht selten mit der Leistungsbewertung unzufrieden. Besonders strittig war in einzelnen Fällen die Deutung der Details von Karikaturen. Ihr erinnert euch? Aber versetzten wir die Leser doch einmal in eure Situation, legen wir ihnen eine Karikatur vor und lassen sie die Einzelheiten deuten. Helfen wir ihnen dabei durch Leitfragen und Multipel-Choice-Vorgaben, die euch damals nicht vorgelegen hatten.
Antworten auf die beiden Fragen werden hier nicht angeboten, die Diskussion bleibt offen. Wer Genaueres wissen will, wende sich an die Kursteilnehmer des LK G/Sk, denn die wissen Bescheid.
Als spätestens mit 13/2 das herannahende Abitur zunehmend das Kursgeschehen bestimmte, bemerkte ich wachsende Unruhe und sogar Furcht der KollegiatInnen vor der bevorstehenden Prüfung. In dieser Form und in diesem Ausmaß hatte ich das bisher in keinem der Kurse, die ich bisher zum Abitur geführt habe, erlebt. Ich muss unumwunden zugeben, dass es mir nicht gelungen ist, die Befürchtungen des Kurses zu zerstreuen. Ich habe wohl auch deshalb nicht den richtigen Ton getroffen, weil ich den Bedenken des Kurses nicht die richtige Bedeutung zugemessen habe, war ich doch aus meiner Erfahrung heraus und auch auf Grund der bisherigen Leistungen der KursteilnehmerInnen der sicheren Überzeugung, dass der Kurs gut auf das Abitur vorbereitet war. Für mich beginnt das Hinarbeiten aufs Abitur in der ersten und endet mit der letzten Stunde eines Kurses und ich verliere dieses Ziel während der gesamten Zeit nicht aus den Augen. Deshalb wähle ich von Anfang an abiturpraktische Methoden und Materialien, konzentriere den Unterricht auf abiturrelevante Lerninhalte und stelle Anforderungen in den Schulaufgaben, die unter Berücksichtigung des jeweiligen Lernfortschritts denen des Abiturs entsprechen. Wichtiger als Wiederholungen bereits behandelten Unterrichtsstoffs erscheint mir die Abdeckung möglichst aller Unterrichtsinhalte, die potentieller Gegenstand der Abiturprüfung sein könnten. Wie ich meine, hat sich das Verfahren wieder einmal bewährt, denn die Aufgabenstellung des Abiturs entsprach dem behandelten Stoff und die im Abitur erreichten Ergebnisse entsprechen im Wesentlichen den in 12/1 - 13/1 erzielten Leistungen, ja sie wurden in einzelnen Fällen sogar übertroffen.
„Trotz alledem und alledem ......“ Euch wäre viel unnötiger Stress erspart geblieben, wenn ich eure Bedenken ernster genommen und entsprechend reagiert hätte. Tut mir leid!
Es gäbe noch so viel zu sagen. Doch ich denke, der mir zur Verfügung stehende Raum ist begrenzt. Ich möchte euch allen zum bestandenen Abitur gratulieren und für die Zukunft Glück wünschen. Ihr wart ein insgesamt kommunikativer Leistungskurs, was für einen LK G/Sk absolut lebensnotwendig ist; ihr wart fleißig, leistungswillig und leistungsfähig, so dass es nicht verwundern kann, dass einige der besten Abiturienten des diesjährigen Jahrgangs aus euren Reihen kommen. Mir hat die Arbeit mit euch wirklich großen Spaß gemacht und sie war befruchtend für mich. Ich bedanke mich bei euch für die zwei Jahre insgesamt guter und anspruchsvoller Zusammenarbeit.
Wenn ihr alle euer Wahlrecht zum Europäischen Parlament wahrgenommen habt, dann haben wir ein gemeinsames Ziel des politischen und historischen Unterrichts erreicht.
Dr. Roland F. Bettger

