Leistungskurs Französisch (Winfried König)
Bericht der Schüler:
„Wortfeld: Le Roi“Jeden Morgen wurden wir von unserem bereits ungeduldig wartenden Lockenkopf mit tadelnden Blicken empfangen. Wenn jedoch Einzelpersonen 15 Minuten oder mehr zu spät kamen, wurden diese stets mit einem freundlichen „mieux tard que jamais“ begrüßt.
Die Stunde begann mit einer unumgänglichen Zeremonie, der Vokabelabfrage aus unserem heiß geliebten Mots et Contexte (dessen Aufbau uns auch zu diesem Artikel inspirierte!) Hierbei stellte das Zuordnen der Namen auf dem Sitzplan zu den anwesenden Personen die erste Schwierigkeit dar. Aus unserem 13-köpfigen Kurs, der so gut wie nie vollständig war, wurde eine Person, egal ob anwesend oder nicht, für die Abfrage auserwählt. Das Opfer hatte nun für die nächsten 30 Minuten die Aufgabe, den Alleinunterhalter für den Kurs zu spielen, wobei die Kunst darin bestand, möglichst „unbemerkt“ von dem unter Ordner oder Büchertasche gut versteckten Mots et Contexte abzulesen. Währenddessen nutzte der Rest des Kurses die Zeit, um sich über die neuesten privaten Wichtigkeiten auszutauschen.
Da nun die erste dreiviertel Stunde „schon“ vorüber war, gab das ersehnte „trois minutes“ von Monsieur le Roi die Erlaubnis, die Privatgespräche auf den kompletten Kurs auszuweiten.
In dieser Zeit konnten wir jede Stunde ein besonders mysteriöses Ritual beobachten: Herr König trank nämlich jede Zwischenpause aus einem kleinen verkalkten Etwas, das er wohl am Anfang der 12. Klasse im Klassenzimmer entdeckt hatte. Um das kalkige Wasser besser runterspülen zu können, folgten darauf noch einige Schlucke aus seinem selbst mitgebrachten Getränk, das uns durch seine undefinierbare Farbe jede Stunde zu neuen Spekulationen anregte.
Danach beendete er ohne Übergang die Pause durch eine Tafelanschrift, mit der er grundsätzlich den gesamten Kurs erheiterte, da er dabei den Eindruck machte, als würde er für einen Limbowettbewerb trainieren und jetzt sofort unter der Tafel durchtanzen.
Die anschließende Textarbeit gestaltete sich immer auf die gleiche Weise: Er rief uns der Reihenfolge des Sitzplans nach auf, was Lehrer wie auch Schüler die Arbeit erleichterte, da man von vornherein abzählen konnte, welche Frage für einen bestimmt war. Aber auch das war keine Garantie für eine richtige Antwort, da Monsieur le Roi immer eine eigene Meinung hatte, die manchmal sogar völlig von den Lösungen des Buches abwich. Dadurch ergaben sich heftigste Diskussionen mit uns, die stets von ihm mit einem [u[„Non, pas du tout!“ abrupt abgebrochen wurden.
Auch sehr amüsant waren Herrn Königs häufige Kämpfe mit Fernbedienungen, Video- und Kassettenrecordern. Leider kamen moderne Geräte, wie z.B. DVD-Player, nie zum Einsatz, was bestimmt noch höheren Unterhaltungswert gehabt hätte.
Soviel zum alltäglichen Unterricht.
Um das Bild du Roi zu vervollständigen, muss hier auch seine menschliche Seite erwähnt werden. So konnten wir uns des Öfteren über kleine Aufmerksamkeiten seinerseits freuen, wie z.B. türkische Loukoums, Anhänger zu Weihnachten und leckere Croissants. Besonders gefreut haben wir uns über den kleinen Sektempfang direkt nach dem Französischabitur. Dafür und für ihre versuchten Bemühungen „merci beaucoup“ und viel Glück für Ihre spätere Tanzkarriere im karibischen Bereich!
P.S.: Nous savons que c’est nous qui voulons passer le bac! :-)
“Mieux tard que jamais“ = Schön, dass überhaupt noch jemand kommt
Mots et Contexte = Verhasstes Folterwerkzeug
Sitzplan = Unverzichtbares Utensil zur Kommunikation mit den Schülern
„Trois minutes“ = Rettende Zwischenpause
Verkalktes Etwas = Blumenvasenähnliches Gefäß
Mitgebrachtes Getränk = Schwarzer Tee mit Milch (wie wir nach nur 1 1/2 Jahren herausfanden) „C’est ma drogue!“
„Non, pas du tout“ = „Deine Meinung ist falsch!“ (Lieblingssatz)
Bericht des Lehrers/Lehrerin:
Kleiner Steckbrief des Leistungskurs FranzösischBesondere Kennzeichen
14, später 13, hübsche junge Damen mit großem Mitteilungsbedürfnis vor allem am Anfang der Kursstunde
Sprachliche Fähigkeiten
Zwar keine Spitzenleistungen, aber auch keine ausgesprochen schlechten - die meisten bewegten sich im Mittelfeld; sich im Unterricht der französischen Sprache zu bedienen war für manche doch recht mühevoll
Was ich mir gewünscht hätte
Weniger Absenzen!!! Pünktlicher Unterrichtsbeginn mit einer (ab und zu von einem Kursteilnehmer) gesäuberten Tafel; Abliefern der Hausaufgabe an dem Tag, für den sie aufgegeben wurde; mehr Beteiligung am (französischen!) Unterrichtsgespräch, so dass kein Lehrermonolog nötig war; immer die gleiche Sitzordnung (die es einem Lehrer mit schlechtem Personengedächtnis erlaubt, mit einem Blick zu sehen wer fehlt)
Was ich bedaure
Dass die bitter notwendige Arbeit an der sprachlichen Basis zu wenig Zeit ließ, authentisches Französisch in Videos, Filmen, CDs usw. zu präsentieren; dass in den zwei Jahren kein geeignetes französisches Theaterstück angeboten wurde; dass ich nicht immer den Fleiß und den Arbeitsaufwand mit guten Noten belohnen konnte
Was mir gefallen hat
Dass die meisten gewissenhaft ihre schriftlichen und mündlichen („Mots et contexte“ - das Abitur hat gezeigt wie nützlich das war!) Aufgaben erledigt haben; dass die meisten sich viel Mühe mit oft schwierigen Referaten gegeben haben und sich nicht durch die Einwürfe des Kursleiters beirren ließen; dass sich die meisten im Vergleich zum Klausurdurchschnitt im Abitur verbessert haben und vor allem dass alle das Abitur bestanden haben; dass wir uns in den zwei Jahren eigentlich recht gut verstanden haben und dass - so habe ich es empfunden - eine angenehme Atmosphäre herrschte
Winfried König

